
Journal of Cleaner Production, Band 541 (2026). Open Access, CC BY 4.0
Journal of Cleaner Production
Kann ein einzelnes Gebäude innerhalb seines Anteils am Schweizer CO₂-Budget bleiben, und wie viel Kohlenstoff kann es dabei speichern? Nach der Modellierung des nationalen Gebäudebestands untersucht das Forschungsteam der ETH Zürich und der HES-SO nun einzelne Neubauten und Sanierungen. Die Antwort hängt stark davon ab, welche Bauteile mit biobasierten Baustoffen umgesetzt werden.
Autoren / Institution
Yasmine Dominique Priore, Sarah Delmenico, Lionel Rinquet, Guillaume Habert, Thomas Jusselme · ETH Zürich · HES-SO (HEIA-FR, HEPIA)
Veröffentlicht
2026
Die Studie analysiert vier Fallbeispiele aus dem Wohnbau: zwei neue Mehrfamilienhäuser mit niedriger und mittlerer Dichte sowie die Sanierung eines Einfamilien- und eines Mehrfamilienhauses. Jeder Fall wird in drei Szenarien mit steigendem Anteil biobasierter Baustoffe berechnet, von Standard über realistisch bis fortgeschritten. Grundlage ist eine Ökobilanz mit Schweizer KBOB-Daten und einer Gebäudelebensdauer von 60 Jahren. Die Ergebnisse werden mit CO₂-Budgets bis 2050 und mit einem Referenzwert für Negativemissionstechnologien (NET) aus der Schweizer Klimastrategie verglichen.
Was die Fallbeispiele zeigen
- Weniger Emissionen. In den fortgeschrittenen Szenarien sinken die fossilen grauen Emissionen um 18–40 %. Alle Fälle halten das CO₂-Budget 2025 ein, drei von vier auch jenes für 2030.
- Bis zu 500 kg CO₂ pro Quadratmeter. Der gespeicherte biogene Kohlenstoff reicht in den fortgeschrittenen Szenarien von rund 500 kg CO₂eq/m² im neuen Gebäude mittlerer Dichte bis rund 60 kg CO₂eq/m² im sanierten Mehrfamilienhaus.
- Neubauten speichern deutlich mehr. Auf Gebäudeebene kann ein Neubau 2- bis 8-mal mehr Kohlenstoff speichern als eine Sanierung, vor allem weil bei Sanierungen die Tragstruktur nicht ersetzt wird.
- Mehr als das nationale NET-Ziel. Drei von vier Fällen speichern 1,5- bis 4-mal mehr biogenen Kohlenstoff als der Referenzwert für Negativemissionen auf nationaler Ebene.
- Tragstruktur und Dämmung zählen am meisten. Fassadendämmung und Innendecken sind die wirksamsten Bauteile. Oberflächen mit kurzer Nutzungsdauer sind am wenigsten wirksam.
Die Autorinnen und Autoren weisen auch auf Zielkonflikte hin. Eine Strohfassade auf einer CLT-Tragstruktur erhöhte die Kohlenstoffspeicherung stark, steigerte wegen der Elemente aus Engineered Wood aber auch die grauen Emissionen. Die Materialwahl muss deshalb Bauteil für Bauteil geprüft werden.
Die nationale Perspektive liefert die frühere Studie des Teams zum Schweizer Gebäudebestand. Potential for biogenic carbon storage towards a net-zero built environment in Switzerland
Vollständige Quelle: Priore, Y. D., Delmenico, S., Rinquet, L., Habert, G., & Jusselme, T. (2026). Potential contribution of biogenic materials in new and renovated buildings towards carbon budgets and storage in Switzerland. Journal of Cleaner Production, 541, 147558. Open Access unter CC BY 4.0.
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