
Sustainable Production and Consumption, Band 59 (2025)
Sustainable Production and Consumption
Wie viel Kohlenstoff kann der Schweizer Gebäudebestand speichern, wenn biobasierte Baustoffe zum Standard werden, und wie weit bringt das die Schweiz auf dem Weg zu Netto-Null? Ein Forschungsteam der ETH Zürich und der HES-SO hat den Wohngebäudebestand bis 2050 und darüber hinaus modelliert. Die Studie gehört zu den wenigen quantitativen Abschätzungen der Schweizer Gebäude als langfristiger Kohlenstoffspeicher.
Autoren / Institution
Yasmine Dominique Priore, Lucile Schulthess, Sarah Delmenico, Lionel Rinquet, Guillaume Habert, Thomas Jusselme · ETH Zürich · HES-SO (HEIA-FR, HEPIA)
Veröffentlicht
2025
Die Studie arbeitet mit einem Python-basierten Modell des Schweizer Wohngebäudebestands. Sie vergleicht Szenarien mit einem wachsenden Anteil biobasierter Baustoffe in Neubau und Sanierung mit einem Business-as-usual-Szenario und mit den Klimazielen der Schweiz. Für das Lebensende nehmen die Autorinnen und Autoren an, dass der gesamte biogene Kohlenstoff wieder freigesetzt wird. Die Abbruchraten bestimmen deshalb, wie lange der Kohlenstoff im Bestand bleibt.
Was das Modell zeigt
- Die Sanierung übernimmt die Führung. Der Neubau geht aus demografischen Gründen zurück. Bis 2050 verursachen Sanierungen fast viermal mehr graue Emissionen als Neubauten und werden zum wichtigsten Hebel für Emissionen und Speicherung.
- Neubauten speichern mehr pro Einheit. Ihr Verhältnis von gespeichertem biogenem Kohlenstoff zu Emissionen erreicht bis 2050 300 %, bei Sanierungen sind es 176 %.
- Speicherung und Emissionen nähern sich an. Um 2050 könnten Gebäude jährlich 2,5 Mt CO₂ biogenen Kohlenstoff aufnehmen, nahe an den jährlichen grauen Emissionen des Bestands.
- Die Materialwahl allein reicht nicht. Selbst im ambitioniertesten Szenario senken mehr biobasierte Baustoffe die kumulierten Emissionen gegenüber Business as usual nur um 5–8 %. Eine sauberere Baustoffproduktion und weniger Bautätigkeit bleiben nötig.
- Ein grosser Langzeitspeicher. Langfristig könnte der Bestand maximal 300–400 Mt CO₂ speichern. Das ist sechsmal so viel wie die kumulierten Netto-Entnahmen, welche die Schweiz bis 2050 erwartet.
Inzwischen hat dasselbe Team einzelne Gebäude genauer untersucht. Potential contribution of biogenic materials in new and renovated buildings towards carbon budgets and storage in Switzerland
Vollständige Quelle: Priore, Y. D., Schulthess, L., Delmenico, S., Rinquet, L., Habert, G., & Jusselme, T. (2025). Potential for biogenic carbon storage towards a net-zero built environment in Switzerland. Sustainable Production and Consumption, 59, 229–240.
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