
Sustainable Production and Consumption, Band 27 (2021)
Sustainable Production and Consumption
Können Gebäude als Kohlenstoffsenke wirken? Jay Arehart und sein Team an der Edinburgh Napier University haben ein Jahrzehnt Forschung ausgewertet, um zu sehen, was die Evidenz für Baustoffe, Gebäude und den globalen Gebäudebestand zeigt. Die Studie gehört bis heute zu den Standardreferenzen zum Thema.
Autoren / Institution
Jay H. Arehart, Jim Hart, Francesco Pomponi, Bernardino D'Amico · Edinburgh Napier University
Veröffentlicht
2021
Die Autoren haben über 3000 Publikationen aus den Jahren 2010 bis Mitte 2020 gesichtet und 180 davon vertieft analysiert. Sie betrachten zwei Mechanismen: die Photosynthese bei biobasierten Baustoffen wie Holz und die Karbonatisierung bei zementgebundenen Baustoffen wie Beton. Zudem vergleichen sie die Bilanzierungsmethoden, mit denen gespeicherter Kohlenstoff angerechnet wird, von der statischen Ökobilanz bis zu dynamischen Ansätzen, die erfassen, wann Kohlenstoff aufgenommen und wieder freigesetzt wird.
Was die Übersicht zeigt
- Weniger als ein Jahr fossiler Emissionen. Die meisten Studien finden kumulierte Speichereffekte in langlebigen Produkten und Gebäuden, die unter den fossilen Emissionen eines einzigen Jahres liegen, von vernachlässigbar bis 175 %.
- Die Methode bestimmt das Ergebnis. Je nach Bilanzierungsmethode kann dasselbe Gebäudeergebnis von rund 1000 kg CO₂eq/m² zwischen −300 und 1750 kg CO₂eq/m² liegen.
- Holz schneidet auf Gebäudeebene gut ab. Tragstrukturen in Holz zeigen in der Regel eine geringere Klimawirkung als vergleichbare Gebäude in Beton oder Stahl.
- Der Wald muss mitgerechnet werden. Speichergewinne in Gebäuden können durch Kohlenstoffverluste im Wald aufgehoben werden, und Substitutionseffekte werden teils überschätzt.
- Auch Beton nimmt Kohlenstoff auf, in kleinerem Umfang. Durch Karbonatisierung bindet Beton über seine Lebensdauer einen Teil seiner Prozessemissionen wieder. In einigen Studien erreicht das rund ein Fünftel der anfänglichen Emissionen.
Aktuelle Zahlen für die Schweiz liefern zwei Studien der ETH Zürich und der HES-SO. Potential for biogenic carbon storage towards a net-zero built environment in Switzerland
Vollständige Quelle: Arehart, J. H., Hart, J., Pomponi, F., & D'Amico, B. (2021). Carbon sequestration and storage in the built environment. Sustainable Production and Consumption, 27, 1047–1063.
Themen


