
Die Schweiz hat einen der höchsten Holzvorräte pro Hektare in Europa und importiert doch einen grossen Teil ihrer Holzbauprodukte. In der Schweizerischen Zeitschrift für Forstwesen (Ausgabe 1/2025) fragt Peter Greminger, Forstingenieur ETH und Senior Consultant für Risiko- und Ressourcenmanagement, wie heimisches Holz zum Netto-Null-Ziel beitragen kann.
Medium
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen
Veröffentlicht
3. Januar 2025
Ein wachsender Wald, eine negative Handelsbilanz
Im Schweizer Wald stehen rund 415 Millionen Kubikmeter Holz (Stand 2017), 60 Millionen mehr als 1985. Jährlich könnte laut Greminger rund eine Million Kubikmeter mehr genutzt werden, ohne ökologische Nachteile. Gleichzeitig hat sich das Handelsbilanzdefizit bei Holzwaren zwischen 2000 und 2022 auf rund 4,4 Milliarden Franken verdoppelt, schätzungsweise 70 Prozent der Holzbauprodukte werden importiert. Der weiter wachsende Wald, vor allem im Gebirge, erhöht zudem das Risiko von Sturm-, Trockenheits- und Hitzeschäden. Greminger plädiert für eine vielfältige, standortgerechte Baumartenwahl.
Wer klimaneutral bauen will, muss regionale Ressourcen verwenden.
Anreize für den Holzbau
Der Holzbau boomt, und eine Lignum-Studie zeigt für Mehrfamilienhäuser aus Holz konkurrenzfähige Kosten gegenüber Massivbauten. Die Holzindustrie kämpft jedoch mit tiefen Preisen, fehlenden Investitionen und kleinteiligem Waldbesitz mit rund 244 000 privaten und 3500 öffentlichen Eigentümern. Greminger fordert finanzielle Anreize, etwa CO₂-Kompensationszahlungen für Bauprojekte, die den Zielwert 2040 schon heute erreichen. Bei öffentlichen Aufträgen soll dieser Wert ein Auswahlkriterium sein, und bautaugliches Holz soll nicht verbrannt werden. Nötig sei auch eine Industrie, die Laubholz verarbeitet.
Einordnung von Timber Carbon
Gremingers Ruf nach Anreizen für klimafreundliche Bauprojekte griff Thomas Fedrizzi von Timber Finance in derselben Zeitschrift auf, nachzulesen im Beitrag CO₂-Speicherzertifikate für den Holzbau fördern die Stammholzbewirtschaftung. Timber Carbon, 2026 als Spin-off von Timber Finance gestartet, bringt die Speicherleistung von Holzbauten heute als CO₂-Speicherzertifikate auf den freiwilligen CO₂-Markt. Wie Bauherrschaften vorgehen können, zeigt unsere Seite Biobasiert bauen.
Themen
Quelle
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen
Wissenschaftliche Zeitschrift des Schweizerischen Forstvereins


