
Der Finanzplatz Zürich ist ein Hub für Sustainable Finance und soll es auch für Carbon Finance werden. Im dreisprachigen Sonderheft «Stadt aus Holz» der Zeitschrift TEC21 (Nr. 10/2024) sprechen Thomas Fedrizzi, Gründer von Timber Finance, und Thomas Richter, Professor für Real Estate Management an der ZHAW, mit Danielle Fischer über neue Instrumente für den Holzbau.
Medium
TEC21
Veröffentlicht
4. Oktober 2024
Lebenszyklus statt nur Betriebsenergie
Viele Investoren verbinden nachhaltige Immobilien mit Energieeffizienz im Betrieb. Laut Fedrizzi greift das zu kurz, weshalb einige Anleger komplette Lebenszyklusanalysen nutzen, getrieben von Vorgaben zur grauen Energie in Ländern wie Dänemark, Schweden oder Frankreich. Richter verweist auf Studien, wonach nachhaltige Immobilien tiefere Betriebskosten, weniger Leerstand und höhere Mieten aufweisen. Labels wie GEAK und Minergie konzentrieren sich jedoch vor allem auf den Betrieb. Lebenszykluskonzepte sind laut Fedrizzi erst «bankable», wenn sie mit einem handelbaren Wertpapier verknüpft sind.
Eine Hypothek mit CO₂-Speicherzertifikaten
Im Auftrag von Timber Finance erarbeitete die ZHAW eine Machbarkeitsstudie zu einer Holzbauhypothek, die Zinsvergünstigungen für verbautes Holz gewährt. Investoren können die CO₂-Speicherzertifikate ihrer CO₂-Bilanz anrechnen oder am Markt verkaufen. Da private Eigentümer keinen direkten Marktzugang haben, könnten Banken die Zertifikate gegen eine tiefere Hypothekarverzinsung übernehmen und gebündelt anrechnen. Die befragten Bankvertreter halten ein solches Produkt für marktfähig, wünschen aber einfache Prozesse und klare Rahmenbedingungen. Den erwarteten Preis für Holzbauzertifikate beziffert das Heft mit rund 150 Franken pro Tonne CO₂.
Wer mit Holz baut, erbringt eine Klimaleistung für die Gesellschaft, die finanziell nicht entschädigt wird.
Einordnung von Timber Carbon
Wie die Klimaleistung von Holzbauten finanziell abgegolten werden kann, steht im Zentrum unserer Arbeit. Timber Carbon, 2026 als Spin-off von Timber Finance gestartet, bringt die Speicherleistung von Holzbauten heute als CO₂-Speicherzertifikate auf den freiwilligen CO₂-Markt. Wie Bauherrschaften vorgehen können, zeigt unsere Seite Biobasiert bauen.
Themen
Quelle
TEC21
Schweizer Fachzeitschrift für Architektur, Ingenieurwesen und Umwelt


