
Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber warnt, dass eine Erwärmung über 2 Grad die Zivilisation hart auf die Probe stellen würde, und sieht im Bauen mit Holz seine grösste Hoffnung. Joachim Laukenmann und Martin Läubli führten mit ihm das Jahreswechselgespräch im Tages-Anzeiger vom 3. Januar 2025.
Medium
Tages-Anzeiger
Veröffentlicht
3. Januar 2025
Vom grössten Klimasünder zum Klimahelden
Schellnhuber ist Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und leitet seit 2023 das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg bei Wien. Um die Erde nach einem Überschiessen der Temperaturziele wieder abzukühlen, müsse der Atmosphäre CO₂ entzogen werden. Neben technischen Verfahren mit Speicherung im Untergrund nennt er die Wald-Bau-Pumpe: Schnell wachsende Bäume und Gräser wie Bambus, der in sechs Jahren 40 Meter hoch wird, binden CO₂, das anschliessend in Bauholz und Möbeln langfristig gebunden bleibt. Fast 40 Prozent der globalen Emissionen stammen heute aus dem Bausektor.
So möchte ich den grössten Klimasünder, den Bausektor, in den grössten Klimahelden verwandeln.
Wälder aktiv umbauen
Die Vorstellung, Wälder könnten den Klimawandel nur überleben, wenn man sie ganz in Ruhe lasse, hält Schellnhuber für falsch. Viele der heutigen, vom Menschen geprägten Wälder würden die Phase des Überschiessens nicht überstehen. Deshalb müsse man aktiv eingreifen, Baumarten pflanzen, die im künftigen Klima bestehen, und aufforsten, auch auf degradierten Flächen im Amazonas. Dieser Ansatz gebe ihm derzeit die grösste Hoffnung, die Phase des Überschiessens zu begrenzen.
Einordnung von Timber Carbon
Die Wald-Bau-Pumpe beschreibt das Prinzip, auf dem Carbon Removals im Holzbau beruhen. Timber Carbon, 2026 als Spin-off von Timber Finance gestartet, bringt die Speicherleistung von Holzbauten heute als CO₂-Speicherzertifikate auf den freiwilligen CO₂-Markt. Wie dieser Gedanke schon 2023 als «zweiter Wald» formuliert wurde, zeigt der Beitrag Wald im Wandel, den heutigen Standard erklärt die Seite Technologie.
Themen
Quelle
Tages-Anzeiger
Schweizer Tageszeitung


