
Ist die Wohnbaukrise in Europa eine wirtschaftliche und soziale Krise oder eine langfristige Chance für den Holzbau? Im Holzkurier 41/2024 vom 10. Oktober 2024 untersucht Stefano Charrey, Head of Investment Research bei Timber Finance, die Lage in Deutschland, Frankreich und Finnland. Der Beitrag eröffnete die Reihe von Gastbeiträgen von Timber Finance im Holzkurier.
Medium
Holzkurier
Veröffentlicht
10. Oktober 2024
Baugenehmigungen stärker eingebrochen als zur Finanzkrise
Nach der raschen Straffung der Geldpolitik durch die EZB als Reaktion auf die Inflation 2022/23 und wegen gestiegener Baukosten gingen die Baugenehmigungen für Wohnbauten in Deutschland, Frankreich und Finnland um 40 bis 70 Prozent zurück. Der Einbruch ist mit jenem der Finanzkrise 2008 vergleichbar und teils ausgeprägter. Der Holzbau leidet mit, aber etwas weniger: In Deutschland sanken die Genehmigungen für Holzbauten 2023 um 36,5 Prozent, insgesamt um 38,6 Prozent. Die Holzbauquote stieg damit von 21,3 auf 22 Prozent.
Neues, nachhaltiges und energieeffizientes Bauen […] ist eine wichtige langfristige Investition auf allen Ebenen.
Wachsender Bedarf und sinkende Zinsen
Gleichzeitig wächst die Bevölkerung, in Deutschland und Finnland auch durch Zuwanderung aus der Ukraine. Das Wohnungsdefizit in Deutschland wird auf rund 700 000 Einheiten geschätzt, gemäss Genehmigungsrate entstehen jährlich nur rund 220 000. Statt der angestrebten 100 000 Sozialwohnungen pro Jahr werden 20 000 bis 30 000 gebaut, in Paris ging das Angebot an Mietwohnungen 2023 um die Hälfte zurück. Der industrielle und modulare Elementholzbau kann mit kürzeren Planungs- und Bauzeiten helfen, solche Defizite abzubauen. Die ersten Zinssenkungen der EZB auf 3,5 Prozent geben laut Charrey Anlass zur Hoffnung, auch für börsenkotierte Holzbauunternehmen.
Einordnung von Timber Carbon
Wenn sich der Wohnbau erholt, entscheidet die Materialwahl über die Klimabilanz von Hunderttausenden neuer Wohnungen. Timber Carbon, 2026 als Spin-off von Timber Finance gestartet, bringt die Speicherleistung von Holzbauten heute als CO₂-Speicherzertifikate auf den freiwilligen CO₂-Markt. Wie Holz im Vergleich zu kohlenstoffarmem Beton abschneidet, zeigt Charreys späterer Holzkurier-Beitrag Dekarbonisierung von Gebäuden.
Themen
Quelle
Holzkurier
Österreichische Fachzeitung für die Holzwirtschaft


